Story · 06.09.2026
London 2026: Wem gehört die KI?
Warum technologische Souveränität zur Bildungsfrage wird
Von Pardus RedaktionWhose AI Is It Anyway?
Künstliche Intelligenz verändert nicht nur, wie wir arbeiten. Sie verändert zunehmend auch die Frage, wer technologische Entwicklungen kontrolliert. Wer verfügt über die Daten, auf denen KI-Systeme basieren? Wer kontrolliert die technologische Infrastruktur? Welche Abhängigkeiten entstehen durch Plattformen und externe Anbieter? Und welche Handlungsspielräume bleiben Unternehmen, Institutionen und Staaten, wenn zentrale Bestandteile ihrer KI-Infrastruktur außerhalb der eigenen Kontrolle liegen? Genau diese Fragen standen am 8. Juli 2026 im Mittelpunkt einer Veranstaltung am King’s College London. Unter dem Titel „Whose AI Is It Anyway? Data, Sovereignty, and the Geopolitics of Intelligence“ brachten das King’s Institute for Artificial Intelligence und das Data Science Institute der London School of Economics and Political Science (LSE) im Rahmen der London Data Week 2026 Perspektiven aus KI, Politik, Wissenschaft und technologischer Praxis zusammen. Im Zentrum stand die Frage, was technologische Souveränität im Zeitalter künstlicher Intelligenz bedeutet und was geschieht, wenn Kontrolle über Daten und KI-Systeme verloren geht. Für PARDUS Education bot die Veranstaltung damit einen konkreten Anlass, technologische Souveränität aus der Perspektive beruflicher KI-Weiterbildung zu betrachten.
KI-Kompetenz beginnt nicht beim Prompt
Die öffentliche Diskussion über künstliche Intelligenz konzentriert sich häufig auf Anwendungen: Welche Aufgaben kann ein Modell übernehmen? Wie lassen sich Prozesse automatisieren? Wie können Unternehmen generative KI produktiv einsetzen? Das sind wichtige Fragen. Sie greifen jedoch zu kurz. Hinter jeder KI-Anwendung steht eine technologische Infrastruktur. Modelle benötigen Daten, Rechenleistung und geeignete Plattformen. Unternehmen greifen dabei vielfach auf Leistungen externer Anbieter zurück. Damit entsteht eine weitere Ebene von KI-Kompetenz: Wer künstliche Intelligenz professionell einsetzen will, sollte auch verstehen, auf welchen technologischen Strukturen sie basiert und welche Abhängigkeiten daraus entstehen können. Genau an dieser Stelle wird technologische Souveränität zu einem Bildungsthema.
Data Sovereignty und AI Sovereignty
Daten bilden eine wesentliche Grundlage moderner KI-Systeme. Gleichzeitig können sie sensible Informationen über Unternehmen, Prozesse, Kunden oder gesellschaftliche Strukturen enthalten. Die Frage nach ihrer Nutzung lässt sich deshalb nicht allein technisch beantworten. Es geht ebenso um Zugriff, Speicherung, Governance und Kontrolle. „Whose AI Is It Anyway?“ stellte diese Fragen bewusst in einen größeren Zusammenhang. Das öffentliche Panel beschäftigte sich mit der technologischen, politischen und sicherheitsbezogenen Dimension von AI und Data Sovereignty und damit, was diese Entwicklung für Staaten, Institutionen und Bürger bedeutet. Für Unternehmen lässt sich daraus eine weiterführende Frage ableiten: Es genügt nicht, ausschließlich zu beurteilen, ob ein KI-System leistungsfähig ist. Entscheider sollten auch verstehen, welche Daten verarbeitet werden, auf welcher Infrastruktur dies geschieht und welche technologischen Abhängigkeiten mit einer bestimmten Lösung verbunden sein können.
Von der Anwendung zum Systemverständnis
Für moderne KI-Weiterbildung ergibt sich daraus eine konkrete Konsequenz. Es genügt langfristig nicht, Teilnehmern ausschließlich die Bedienung einzelner Werkzeuge zu vermitteln. Auch die Programmierung eines Machine-Learning-Modells bildet nur einen Teil der notwendigen Kompetenz ab. Wer Entscheidungen über KI treffen soll, benötigt ein Verständnis des gesamten Systems: Daten → Modelle → Recheninfrastruktur → Anwendung → Governance Diese Ebenen beeinflussen sich gegenseitig. Ein technisch leistungsfähiges Modell kann beispielsweise für einen bestimmten Unternehmenskontext ungeeignet sein, wenn dessen Einsatz nicht mit Anforderungen an Datenschutz, Informationssicherheit oder Datenhoheit vereinbar ist. Umgekehrt lassen sich technologische Risiken nur sinnvoll bewerten, wenn die Funktionsweise und die Voraussetzungen der zugrunde liegenden Systeme verstanden werden. Damit rücken technische, organisatorische und strategische Kompetenzen näher zusammen.
Internationale Perspektiven gehören zur KI-Bildung
Gerade bei künstlicher Intelligenz entstehen technologische Entwicklungen nicht innerhalb nationaler Grenzen. Forschung, Modelle, Hardware, Dateninfrastrukturen und regulatorische Ansätze entwickeln sich international – teilweise gemeinsam, teilweise im Wettbewerb miteinander. Der Austausch mit wissenschaftlichen Einrichtungen und die Teilnahme an internationalen Fachveranstaltungen sind für PARDUS Education deshalb kein Selbstzweck. Sie ermöglichen es, aktuelle Fragestellungen dort aufzunehmen, wo sie wissenschaftlich und gesellschaftlich diskutiert werden, und anschließend zu prüfen, welche Konsequenzen sich daraus für die berufliche Weiterbildung ergeben. Die London Data Week und die gemeinsame Veranstaltung des King’s Institute for Artificial Intelligence und des LSE Data Science Institute zeigen exemplarisch, wie technische KI-Fragen zunehmend mit politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fragestellungen verbunden werden.
Was daraus für Weiterbildung folgt
Aus der Diskussion über technologische Souveränität ergibt sich für PARDUS ein konkreter Bildungsanspruch. Teilnehmer sollen künstliche Intelligenz nicht lediglich anwenden, sondern deren Funktionsweise, Voraussetzungen und Konsequenzen verstehen können. Dazu gehören technische Kompetenzen in Data Science, Machine Learning und neuronalen Netzen. Gleichzeitig gewinnen Themen wie Data Governance, AI Governance, Informationssicherheit und technologische Abhängigkeiten an Bedeutung. Nicht jeder Teilnehmer muss später eine KI-Infrastruktur entwickeln. Wer jedoch KI-Projekte bewertet, verantwortet oder strategisch begleitet, sollte beurteilen können, welche Entscheidungen hinter einer technologischen Lösung stehen und welche Konsequenzen daraus entstehen können. Das unterscheidet reine Werkzeugkompetenz von tatsächlicher AI Literacy.
London als Impuls für die Weiterbildungspraxis
„Whose AI Is It Anyway?“ zeigt exemplarisch, wie sich der Diskurs über künstliche Intelligenz erweitert. Die Frage lautet nicht mehr ausschließlich: Was kann künstliche Intelligenz? Zunehmend kommt eine zweite hinzu: Unter welchen Bedingungen wollen wir sie einsetzen? Für PARDUS Education gehört beides zusammen. Moderne KI-Weiterbildung muss Menschen dazu befähigen, neue Technologien praktisch einzusetzen. Sie muss ihnen aber ebenso das Wissen vermitteln, diese Technologien kritisch einzuordnen und fundierte Entscheidungen über ihren Einsatz zu treffen. Der internationale Austausch mit Wissenschaft und Praxis liefert dafür wichtige Impulse und schafft eine Verbindung zwischen aktuellen Debatten und konkreter Weiterbildungspraxis. Denn technologische Souveränität beginnt letztlich mit der Fähigkeit, Technologie zu verstehen.
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